Vorwort des Stiftungsratspräsidenten
Die Stiftung Arkadis hat ein breites Dienstleistungsangebot in den Bereichen Wohnen, Beschäftigung und Arbeit, Freizeit sowie Therapie und Beratung. Sie richtet sich an Erwachsene mit Behinderungen sowie an Kinder und Jugendliche mit einem besonderen, körperlichen, gesundheitlichen oder sozialen Unterstützungsbedarf.
Der Stiftungsrat ist für die strategische Leitung zuständig. Er schafft die Voraussetzungen, damit die operative Führung mit den über 290 Mitarbeitenden die anspruchsvollen Aufgaben unter optimalen Voraussetzungen erfüllen kann.
Ein wichtiger Schwerpunkt in der aktuellen Arbeit des Stiftungsrats ist die Weiterentwicklung der Liegenschaftenstrategie. Zwei Schlüsselfragen lauten: Hat die Stiftung die bestmöglichen Räumlichkeiten für ihre Arbeit? Genügen diese Räumlichkeiten auch für künftige Entwicklungen?
Mit dieser Liegenschaftenstrategie abgestimmt sind die aktuellen Bauprojekte der Stiftung Arkadis. An der Von-Roll-Strasse 1 wurde auf dem Areal des ehemaligen Restaurants Wartburg ein Neubau fertiggestellt. In den oberen drei Etagen entstanden zwölf Wohnungen. Menschen mit Behinderungen können im selben Haus in einer eigenen Wohnung mit nicht-beeinträchtigten Menschen wohnen. Im Erdgeschoss und auf den ersten zwei Etagen entstanden Schul- und Therapieräume, die vom Heilpädagogischen Schulzentrum HPSZ und von der Stiftung Arkadis genutzt werden.
Zwischen Februar 2025 und Herbst 2027 wird das Haus Schärenmatte an der Höhenstrasse West in Olten umgebaut. Menschen mit Mobilitäts-, Sinnes- und Alterseinschränkungen benötigen heute andere Räumlichkeiten und Infrastrukturen als bei der Planung der Schärenmatte vor 50 Jahren. Der notwendige Umbau stellt hohe Anforderungen an die Flexibilität unserer Mitarbeitenden und der Klientinnen und Klienten. Der Umbau belastet ebenfalls die Finanzen der Stiftung. Jede Unterstützung ist deshalb hochwillkommen. Weitere Informationen dazu finden Sie hier.
Die Stiftung Arkadis will als Arbeitgeberin attraktiv bleiben. Erfreulich ist, dass die Nettofluktuation unter dem Branchendurchschnitt liegt. Dies zeigt, dass die Rahmenbedingungen im Ganzen gut sind. Der Stiftungsrat hat einen Fonds eingerichtet, um Massnahmen der Personalentwicklung und des betrieblichen Gesundheitsmanagements zu unterstützen.
Die Sozialregion Unteres Niederamt übertrug der Stiftung Arkadis neu das Mandat der Mütter- und Väterberatung. Dies zeigt, dass unsere Dienstleistungen erfreulicherweise eine grosse Akzeptanz von den Behörden erhalten.
Im Namen des Stiftungsrats bedanke ich mich bei allen herzlich, welche die Tätigkeit der Stiftung Arkadis in vielfältiger Weise unterstützen!
Urs Knapp, Präsident des Stiftungsrats
Rückblick des Direktors
Liebe Leserin, lieber Leser
2021 formulierte die Konferenz der Sozialdirektorinnen und -direktoren der Schweiz ihre Vision zur Behindertenpolitik: Bis 2030 sollen Menschen mit Behinderungen ihre Wohnform selbstbestimmt wählen können. Viele Kantone meinen das ernst und haben ihre Gesetze so angepasst, dass ambulante Assistenz einfacher möglich wird. Und Solothurn? Die 2025 angekündigte Angebotsplanung erreicht erst dieses Jahr die politische Beratung. So ruhig wie die Aare, ohne Eile.
Die Stiftung Arkadis hat nicht den Hebel eines Kantons – aber wir haben den Willen. Dass wir Teilhabe und Inklusion von Menschen mit Behinderungen ernst nehmen und bewusst Tempo machen, zeigen die Schwerpunkte unserer Arbeit 2026.
Danke an die Personen, welche unsere Arbeit machen und ermöglichen!
Aldo Magno
Direktor
Schwerpunkte 2025
Dranbleiben
Mit grosser Ausdauer und einer guten Portion Frustrationstoleranz konnte der Neubau an der Von‑Roll‑Strasse 1 in Olten rechtzeitig zum Jahresende fertiggestellt werden. Damit schafft die Stiftung Arkadis zusätzlichen Raum für ihre ambulanten Therapieangebote für Kinder. Gleichzeitig entstehen zentral gelegene, barrierefreie Wohnungen für Menschen mit Behinderungen. Bevor diese dauerhaft vermietet werden, dienen sie bis Sommer 2027 einer Wohngruppe der Stiftung Arkadis als temporäres Zuhause.
Bewährtes neu denken
Im Jahr 2025 wurde der Erwachsenenbereich neu ausgerichtet. Die Bereiche «Schärenmatte» und «Sonnenblick» wurden entlang der beiden zentralen Angebote «Wohnen» sowie «Beschäftigung und Arbeit» strukturiert. Der Reorganisationsprozess hat nun ein solides Fundament für die Entwicklung dieser beiden Geschäftsbereiche geschaffen. Ebenso wurde im Bereich «Therapie und Beratung» eine optimierte Führungsstruktur etabliert.
Den Dingen auf den Grund gehen
Das Departement des Innern des Kantons Solothurn plant Einsparungen von drei Millionen Franken im stationären Behindertenbereich. Die Stiftung Arkadis analysierte daraufhin die Kosten der letzten vier Jahre: 75 Prozent des Anstiegs sind auf Angebotserweiterungen und den kantonalen Teuerungsausgleich zurückzuführen. Dieses Wissen stärkt die gezielte Steuerung unserer Wirtschaftlichkeit.
Neue Wege erkunden
2025 prüfte der Bereich «Therapie und Beratung», wie zusätzliche gesellschaftliche Bedarfe abgedeckt werden können. In Abklärung stehen ein stationäres Angebot für verhaltensauffällige Kinder sowie eine psychotherapeutische Beratung. Wohin der Weg führt, wird sich zeigen.
Inklusion vorantreiben
Der eingeschlagene Weg zur Inklusion wurde 2025 fortgesetzt: Der Mitwirkungsrat hat sich als feste Grösse etabliert und benötigt dafür eine kontinuierliche sozialpädagogische Begleitung. Das neue Austausch-Kaffee zur UN-Behindertenrechtskonvention bot den Klientinnen und Klienten erstmals Raum, sich mit ihren Rechten auseinanderzusetzen. Mit der bevorstehenden Schulung zum Verhaltenskodex sollen zudem neue Standards zum Schutz der psychischen, körperlichen und sexuellen Integrität gesetzt werden.
Das Wesentliche zuletzt: Danke!
2025 war positiv, weil bei der Stiftung Arkadis Menschen mit Professionalität, Herz und Leidenschaft wirken. Ihre täglichen Beiträge ermöglichen alle Fortschritte – die kleinen wie die grossen. Dafür sage ich von Herzen Danke!
Personalkennzahlen
Mit 12 % ist unsere Nettofluktuation für die Sozialbranche tief. Wir bilden Fachkräfte auf allen Ebenen aus: Sekundarstufe II und Tertiär. Wir sind ein Praktikumsbetrieb.
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0Personen in Ausbildung
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0Ausgaben für Aus- und Weiterbildung in CHF
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0Nettofluktuation gesamt
Bereich | Anzahl Mitarbeitende | Vollzeitäquivalent |
|---|---|---|
| Therapie und Beratung | 45 | 23 |
| Schärenmatte | 101 | 72 |
| Sonnenblick | 125 | 58 |
| Management Services | 41 | 32 |
| Total Stiftung Arkadis | 307 | 185 |
Den Radius erweitern
Lilo Eglin, Leiterin Heilpädagogischer Dienst
Unsere Gesellschaft und die Lebensstile unserer Klientinnen und Klienten verändern sich. Deshalb legen wir heute mehr Wert auf die Zusammenarbeit mit den Eltern, um sie zu stärken und eine nachhaltige Unterstützung der Familien zu erreichen. Kinder erhalten Möglichkeiten, gemeinsam mit anderen zu lernen und sich auszutauschen. Es gibt neue Angebote für Kinder und Familien, die ihnen schnelle Hilfe und Beratung ermöglichen, wie zum Beispiel eine Bewegungsgruppe oder eine Elterngruppe für das Autismus-Spektrum.
Die Bewegungsgruppe ist für Kinder und Eltern gedacht und fördert die körperliche, emotionale und soziale Entwicklung. Wir beziehen die Eltern aktiv ein, damit sie ihre Kinder besser verstehen und unterstützen können. So stärken wir die Beziehung zwischen Eltern und Kindern und helfen bei der Entwicklung im Alltag.
Für Eltern von Kindern im Autismus-Spektrum gibt es eine eigene Gruppe. Sie bietet Austausch, Unterstützung und Beratung in einem sicheren Rahmen. Die Eltern sind zentrale Bezugspersonen und lernen, ihre Kinder gezielt zu begleiten. Der Austausch findet gleichzeitig zum Spiel der Kinder statt, sodass Beobachtungen direkt besprochen werden können.
Mit diesen Angeboten reagieren wir flexibel auf die verschiedenen Bedürfnisse und schaffen Räume für Entwicklung. Indem wir das soziale Umfeld einbeziehen, fördern wir die Teilhabe und stärken die Familien.
«Wir wurden von Anfang an sehr gut betreut und haben uns verstanden gefühlt.»
«Wir waren sehr zufrieden und unsere Kinder konnten sehr viel lernen und mitnehmen.»
«Ein seehr kindgerechtes Angebot.»
Austausch-Kaffee zu den Menschenrechten
Dirk Maier, Bereichsleiter Beschäftigung und Arbeit
Die UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) verpflichtet die Schweiz als Nationalstaat und richtet sich an die politischen Behörden. Die Stiftung Arkadis ihrerseits prüft, inwieweit Massnahmen zur Inklusion und Teilhabe auf der betrieblichen Ebene einer Dienstleisterin umgesetzt werden können: in der Gestaltung des Wohnens, in der Beschäftigung, in der Interessensvertretung und in der Freizeitgestaltung. Dabei ist die Ermächtigung und die Mündigkeit der Selbstbetroffenen ein zentraler Moment
Deshalb entstanden im Jahr 2025 die Austausch-Kaffees: Einmal im Monat treffen sich Menschen mit Behinderungen aus der Stiftung Arkadis, um gemeinsam jeweils einen Artikel der UN-BRK und die damit verbundenen Alltagssituationen zu sprechen. Die Gespräche finden in kleinen Gruppen statt und werden mit Leichter Sprache und Bildern unterstützt.
Anschliessend werden die Ergebnisse vorgestellt und wichtige Anliegen vom Mitwirkungsrat und den begleitenden Mitarbeitenden weiterbearbeitet und – wenn möglich – umgesetzt.
Das Austausch-Kaffee kommt bei allen gut an. Die Treffen stärken das Verständnis für Menschenrechte und sollen auch 2026 fortgeführt werden.
«Es ist toll, dass die Themen immer sehr gut erklärt werden.»
«Dank dem Austausch-Kaffee weiss ich besser, was ich darf und was nicht.»
«Ich kann alte Bekannte treffen, mit denen ich Kontakt habe.»
Passion Modelleisenbahn
Im Rahmen unseres Jahresberichts geben wir gerne Einblicke in den Alltag unserer Klientinnen und Klienten. Im diesjährigen Jahresbericht stellt Urs B. Anita Lingg sein grosses Hobby vor.
Ich besuche die Aussenwohngruppe der Stiftung Arkadis und bin gespannt, was mich erwartet.
Urs empfängt mich und führt mich in sein Eisenbahnzimmer. Dort zeigt er mir seine Modelleisenbahn, eine kleine Anlage mit Schienen, Zügen und einem Kommandopult. Fasziniert sehe ich zu, wie Urs die Weichen stellt und eine Dampflokomotive auf mich zusteuert.
Urs erzählt mir gerne von seiner Leidenschaft für Züge, die er seit seiner Kindheit mit seinen Brüdern teilt. Ihr Vater nahm sie sonntags oft zum Rangierdepot in Olten mit. Schon früh kannte Urs viele verschiedene Zugtypen und konnte sie nur anhand ihrer Geräusche bestimmen.
Oft besucht Urs Modelleisenbahn-Börsen, um neue Modelle günstig zu erwerben oder zu tauschen. Alle Verpackungen bewahrt er ordentlich auf. Seine Sammlung besteht ausschliesslich aus Zügen im Massstab 1:87.
Die meisten Schienen sind digital verbunden. Urs erklärt mir verschiedene Zugmodelle wie den Roten Pfeil oder das Krokodil und zeigt mir die dazugehörenden Bezeichnungen auf seinem Kommandopult.
Urs und seine Brüder besitzen etwa 40 Lokomotiven und viele Wagen. Sie möchten gemeinsam eine grosse Modellbahn-Anlage mit Landschaften und Gebäuden bauen. Besonders freut sich Urs momentan über sein neues SWISS-Express-Modell.
Danke Urs, dass du mir die Welt der Modelleisenbahn gezeigt hast.
Übrigens: Viele unserer Bewohnenden kennen sich gut mit den Zügen aus und wissen immer, wo und wann ein Zug fährt – sogar ohne SBB-App.
Bilanz und Erfolgsrechnung
Das Jahresergebnis von TCHF 2'296 wird hauptsächlich wieder den kantonalen Schwankungsfonds gutgeschrieben: TCHF 1'591 dem Amt für Gesellschaft und Soziales und TCHF 280 dem Volksschulamt. Nach Verwendung und Zuweisung der freien und zweckgebundenen Fonds bleiben noch TCHF 484, die dem freien Kapital / den freien Fonds zugewiesen werden.
Die Bilanz zeigt eine Zunahme der immobilen Sachanlagen um über TCHF 5'000 wegen der Realisierung der Bauprojekte. Ebenso haben die flüssigen Mittel um circa TCHF 500 wegen der Investitionstätigkeit abgenommen. Auf der Seite der Passiven ist die Aufnahme des Hypothekarkredits von TCHF 3'360 zur Finanzierung des Neubaus «Von-Roll-Strasse 1» sichtbar.
Einnahmen 2025
Total CHF 23.5 Mio.
(Angaben in %)
- Wohnen (44 %)
- Beschäftigung und Arbeit, Freizeit (35 %)
- Therapie und Beratung (21 %)
Aufwand 2025
Total CHF 21.4 Mio.
(Angaben in CHF Mio.)
- Personalaufwand (CHF 17.2 Mio.)
- Sach-/Dienstleistungsaufwand (CHF 2.2 Mio.)
- Raumaufwand inkl. Betriebs-/Unterhaltsaufwand (CHF 1 Mio.)
- Abschreibungen (CHF 1 Mio.)
Investitionen
Total CHF 6.2 Mio.
(Angaben in CHF Mio.)
- Immobilien (CHF 5.9 Mio.)
- Mobilien (CHF 0.1 Mio.)
- Fahrzeuge (CHF 0 Mio.)
- Hard- und Software (CHF 0.2 Mio.)
Ausgewählte Projekte
Rund 290 Mitarbeitende begleiten, betreuen und fördern unsere Klientinnen und Klienten mit einem breiten Dienstleistungsangebot. Im Folgenden geben wir Ihnen einen Einblick in einige ausgewählte Projekte der Stiftung Arkadis.
Unter dem Motto «Quer durchs Arcafé – In sieben Gängen um die Welt» fand im Arcafé ein besonderer inklusiver Dinner-Abend statt. Am 16. Juli begaben sich die Gäste auf eine kulinarische Reise durch verschiedene Länder und Kulturen, präsentiert in einem sorgfältig zusammengestellten 7-Gang-Menü. Gleichzeitig stand der Abend ganz im Zeichen gelebter Inklusion.
Menschen mit Behinderungen, die in einem geschützten Arbeitsplatz im Arcafé tätig sind, waren aktiv an der Durchführung des Events beteiligt. Unterstützt von unserem Gastronomieteam übernahmen sie vielfältige Aufgaben – von der Vorbereitung einzelner Gänge über das Anrichten bis hin zum Service. Die Tätigkeiten wurden individuell angepasst und in einem sicheren, wertschätzenden Rahmen ausgeführt.
Der strukturierte Ablauf des 7-Gang-Menüs bot dabei Orientierung und förderte Teamarbeit, Verantwortungsbewusstsein und Selbstvertrauen. Für die Gäste entstand nicht nur ein hochwertiges kulinarisches Erlebnis, sondern auch ein offener Raum für Begegnung und Austausch.
Der Dinner-Abend zeigte eindrucksvoll, wie Inklusion im Arbeitsalltag gelebt werden kann. Der geschützte Arbeitsplatz im Arcafé ermöglicht nicht nur berufliche Teilhabe, sondern schafft auch Räume für Begegnung, Austausch und gesellschaftliches Miteinander. Der Event verband Genuss und Vielfalt und setzte ein sichtbares Zeichen für gelebte Inklusion.
Wir freuen uns jetzt schon darauf, wenn wir am 17. Juli 2026 unsere Türen wieder an einem Abend öffnen können und unsere Gäste für den nächsten Arcafé Dinner-Abend begrüssen dürfen.
Die Sanierung der Schärenmatte wird den Bewohnenden nach einer zweijährigen Bauphase deutlich mehr Komfort, grosszügigere Wohn- und Tagesstättenräume und zeitgemässere Räumlichkeiten bieten. Bis dahin erfordert der Umbau jedoch von allen eine Portion Flexibilität.
Die Wohngruppe B2 wird als eine der ersten Wohngruppen sehr direkt vom Umbau betroffen sein. Sie ziehen nämlich im Februar 2026 auf zwei Stockwerken des eben fertiggestellten Neubaus an der Von-Roll-Strasse 1 ein. Die acht kleinen Wohnungen werden während dieser Zeit als Wohngruppe zwischengenutzt.
«Für mich als Lernende ist es spannend und bestimmt auch sehr lehrreich, einen Umzug mit den Bewohnenden zu erleben.»
Auch wenn die neue Wohnform Vorteile mit sich bringt – so sind etwa Einkaufsmöglichkeiten oder der Bahnhof in fünf Minuten zu Fuss erreichbar – freuen sich nicht alle auf den Umzug. Denn umziehen bedeutet auch, dass Altbekanntes und Vertrautes zurückgelassen werden muss.
«Ich freue mich, dass ich dann zu Fuss in die Migros kann.»
«Es tut aber schon gut, auch mal meine ganzen Sachen durchzuschauen», meint Leni, die bereits damit begonnen hat, etwas auszumisten. «Und ich freue mich, dass ich dann ganz nah am Arcafé bin». Und natürlich freut sie sich besonders darauf, wenn sie wieder in die frisch renovierte Schärenmatte ziehen darf.
«Am liebsten möchte ich eigentlich in der Schärenmatte bleiben.»
Der Umzug bringt auch einige logistische und planerische Herausforderungen mit sich. So steht zum Beispiel an der Von-Roll-Strasse keine Pflegebadewanne zur Verfügung. Die Aktivierungsfachpersonen werden neu nicht mehr morgens, sondern nachmittags auf die Wohngruppe kommen und um die Betreuung während der Nacht abzudecken musste zusätzliches Personal eingestellt werden.
So machen sich sowohl Bewohnende als auch Betreuungspersonen bereit für den grossen Umzugstag – gespannt auf das neue, moderne Zuhause. Die Vorfreude auf die neu renovierten Zimmer in der Schärenmatte zumindest, die ist riesig.
«Ich bin gespannt, wie sich die zentralere Lage auf den Alltag der Bewohnenden auswirkt.»
Ein Erfahrungsbericht zum Einbezug von Bewohnenden und Klientinnen und Klienten bei der Rekrutierung von Mitarbeitenden in der Betreuung.
Seit Anfang 2025 werden Bewohnende sowie Klientinnen und Klienten mit kognitiver Beeinträchtigung systematisch in die Rekrutierung von Begleitpersonal im Wohn- und Arbeitsbereich einbezogen. Ziel ist es, ihre Perspektiven bei der Auswahl neuer Mitarbeitender zu berücksichtigen. Dazu wurden klare Abläufe definiert, Hilfsmittel der Unterstützten Kommunikation (UK) bereitgestellt und Mitarbeitende entsprechend geschult.
In der Praxis bedeutet dies, dass Bewohnende und Klientinnen und Klienten in alle Schritte einer Neubesetzung einbezogen werden. Von der Stellenausschreibung bis zum Abschluss der Probezeit. Auch die Teilnahme an Bewerbungsgesprächen ist fester Bestandteil des Prozesses. Im Vorfeld wird gemeinsam geklärt, wer an den Gesprächen teilnimmt und in welcher Form dies geschieht. So wird sichergestellt, dass Mitwirkung gut vorbereitet und für alle Beteiligten passend gestaltet ist.
Eine erste Überprüfung im November 2025 zeigt, dass dieser Einbezug von den betroffenen Personen wahrgenommen wurde. Sie erlebten, dass sie informiert wurden und ihre Meinungen und Erwartungen in die Auswahl neuer Begleitpersonen einflossen. Besonders der Einbezug in die Bewerbungsgespräche wurden als klare Veränderung zur bisherigen Praxis beschrieben. Auch von Seiten der Bewerbenden wurde dies durchwegs positiv aufgenommen.
Um die Mitwirkung zu ermöglichen, kamen verschiedene Kommunikationsformen der UK zum Einsatz, etwa Piktogramme, Sprachausgabegeräte oder Gebärden. Die Vorbereitung erforderte Zeit und Assistenz, erwies sich jedoch als gewinnbringend. Die gestellten Fragen in den Bewerbungsgesprächen machten sichtbar, dass Bewohnende und Klientinnen und Klienten andere Schwerpunkte setzen als Leitungspersonen, etwa in Bezug auf Beziehungsgestaltung, Unterstützung im Alltag oder persönliche Verlässlichkeit.
Der Prozess führte dazu, dass die beteiligten Personen zunehmend sicherer auftraten und ihr Mitspracherecht selbstverständlicher wahrnahmen. Die Erfahrungen bestärken darin, Partizipation auch in personalrelevanten Entscheidungsprozessen weiter zu verankern.
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